Kompensationsmanagement / Management landschaftspflegerischer Maßnahmen

Das Grundprinzip der Eingriffsregelung sieht vor, dass jeder, der in den Naturhaushalt oder das Landschaftsbild eingreift und dabei einen Schaden auslöst, diesen auch wieder beheben muss (Verursacherprinzip), wobei erste Pflicht des Verursachers ist, vermeidbare Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft zu unterlassen. Nicht vermeidbare Eingriffe sind vom Verursacher zu kompensieren. Die rechtlichen Grundlagen stellen das Bundesnaturschutzgesetz und das Naturschutzausführungsgesetz M-V dar.

Die Straßenbauverwaltung hat seit Jahrzehnten Erfahrung mit landschaftspflegerischen Maßnahmen (LPM), die zur Kompensation von Eingriffen in Natur und Landschaft hergestellt und gepflegt werden. Die stetig anwachsende Flächenkulisse landschaftspflegerischer Maßnahmen stellen große Herausforderungen an die Planung, Herrichtung, Pflege, Kontrolle und Organisation von landschaftspflegerischen Maßnahmen dar. Zukünftig sollen auch Wiedervernetzungsmaßnahmen im bestehenden Verkehrsnetz und Alleepflanzungen wichtige Bausteine der straßenbaulichen Kompensation bilden. Das Management von Kompensationsmaßnahmen ist daher ein wichtiger Bestandteil der Arbeit innerhalb der  Straßenbauverwaltung.

Das Kompensationsmanagement umfasst eine Betreuung aller Maßnahmen von den Flächenangeboten über die Planung, Ausführung, Unterhaltung und Kontrolle bis zur dauerhaften Sicherung der LPM. Die Maßnahmen werden im Kompensationskataster des LUNG M-V (https://www.umweltkarten.mv-regierung.de/atlas/script/index.php…) dokumentiert, wobei perspektivisch auch Altdaten (vor 3.3.2011 realisierte Maßnahmen) aufgenommen werden sollen. Die Straßenbauverwaltung in Mecklenburg-Vorpommern betreut insgesamt eine Flächenkulisse von ca. 10.000 ha landschaftspflegerischer Maßnahmen.

Bildung von Kompensationsflächenpools an der A 20

Die A 20 ist mit einer Länge von 314 km das größte Neubauprojekt der Verkehrsprojekte Deutsche Einheit - Straße. Mit der Bündelung von Ersatzmaßnahmen in großen Kompensationsflächenpools im ca. 280 km langen A 20 Abschnitt in Mecklenburg- Vorpommern wurde seit Mitte der 1990er Jahre ein zu dieser Zeit neues Planungskonzept umgesetzt. Insgesamt wurden neun Kompensationsflächenpools mit 150 - 500 ha und insgesamt 2.800 ha Gesamtfläche umgesetzt.
Die Bündelung der Ersatzverpflichtungen aus bis zu 50 km langen A 20-Abschnitten trägt gleichzeitig den Umweltkonflikten des ökologisch weitgehend unzerschnitten und störungsarmen Planungsraumes der A 20 in besonderer Weise Rechnung.
Durch die Bildung besonders großflächiger Kompensationsflächenpools ergeben sich die folgenden erheblichen Vorteile:

  • Entwicklung großflächiger und damit ökologisch stabilerer Lebensraumkomplexe mit deutlich höherer naturschutzfachlicher Wertigkeit
  • Schaffung neuer Lebensräume selbst für großraumbeanspruchende, störempfindliche Tierarten oder Populationen anspruchsvoller Arten
  • Nachhaltige Sanierung des Landschaftswasserhaushaltes verbunden mit der Vermeidung von Beeinträchtigungen angrenzender Nutzungen
  • Entlastung der durch Flächenentzug stark belasteten trassennahen Landwirtschaftsbetriebe
  • Großflächige produktionsintegrierte Kompensationspools erleichtern erheblich die Umstellung betroffener Landwirtschaftsbetriebe
  • Erhöhung der Effizienz und Wirtschaftlichkeit bei Planung, Grunderwerb, Bau, Unterhaltung und Kontrolle

 Exemplarisch zeigt die folgende Karte eine Auswahl der großräumigen landschaftspflegerischen Ersatzmaßnahmen (Kompensationsflächenpools) der A20/B96.

Einen Überblick über die Kompensationskulisse der A20 enthält die Landtagsdrucksache 6/4696.

Weitere Fallbeispiele von Kompensationsmaßnahmen der Straßenbauverwaltung M-V

Besonders herausragende Beispiele guter fachlicher Praxis der Kompensation bei Straßenbauprojekten in Mecklenburg-Vorpommern sind auf der Homepage der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) in Form von Posterbeiträgen veröffentlicht. Diese Beispiele sind nachfolgend verschiedenen Maßnahmentypen zugordnet und können per link von www.fgsv.de abgerufen werden:

Renaturierung von Feuchtgebieten / Wiedervernässung

Gewässerrenaturierungen

Wald-/Gehölzbiotope

Artenschutz