Fragen und Antworten zur beschädigten Autobahn 20 bei Tribsees

Nr.05/2017  | 25.10.2017  | SBL  | Landesamt für Straßenbau und Verkehr

 

Was ist an der A 20 bei Tribsees passiert?

Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr hat in diesem Autobahnabschnitt 2014 erste Fahrbahnschäden in Form von Setzungen festgestellt. Grundsätzlich können leichte Setzungen bei einer solchen Konstruktion – vor allem wenn sie auf Torf gegründet ist – durchaus vorkommen und werden per Profilausgleich behoben. Dies ist hier Ende 2016 erfolgt. 2017 wurden erneut Setzungen festgestellt, die dazu geführt haben, dass Ende Juni der Standstreifen und die rechte Fahrspur für den Verkehr gesperrt und ein Baugrundgutachten beauftragt wurden. Bevor dessen Ergebnisse vorlagen, hat sich das Fortschreiten der Setzungen Ende September unerwartet dynamisch beschleunigt. Deshalb wurden aus Sicherheitsgründen die gesamte Fahrbahn in Richtung Rostock und Anfang Oktober ein weiterer Fahrstreifen in Richtung Stettin gesperrt. Am 9. Oktober 2017 trat laut Baugrundgutachten ein so genannter Grundbruch ein. Dabei ist die Fahrbahn auf einer Länge von ca. 40 und einer Breite von 10 Metern eingebrochen, auf eine Tiefe von ursprünglich im Durchschnitt 2,50 Metern.

Am Freitag, 24. Oktober 2017, musste auch der verbleibende Fahrstreifen in Richtung Stettin gesperrt werden. Die täglichen Messungen ergaben fortschreitende Setzungserscheinungen auch auf dieser Hälfte des Straßendamms. Die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer bei einem weiteren Befahren war nicht mehr zu gewährleisten.

 

Was sind die Ursachen?

Die genauen Ursachen sind bislang nicht abschließend geklärt. Nach aktuellem Kenntnisstand auf Basis eines ersten Gutachtens vom 6.10.2017 vermutet der Baugrundgutachter ein Versagen des Gründungssystems in diesem Bereich.

Eine abschließende Ursachenermittlung bleibt weiteren Prüfungen vorbehalten. Für dieses sind unter Anderem weitere Baugrunduntersuchungen erforderlich. Ein Folgegutachten hat das Landesamt für Straßenbau und Verkehr am 13.10.2017 beauftragt.

Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) wird in die Ursachenforschung einbezogen, um auf Grundlage der Untersuchungsergebnisse vor Ort Rückschlüsse auf die Ursache des Dammversagens zu schließen und ggf. Schlussfolgerungen für künftige Verfahren im Straßenbau zu ziehen.

Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr beschäftigt sich mit der Ursachenforschung zunächst vor allem als Grundlage für die Planung der Instandsetzung der A 20 in diesem Bereich. Es konzentriert momentan alle Kräfte darauf, die Autobahn schnellstmöglich wieder dauerhaft herzustellen und für die Bauzeit die Umleitungsverkehre so zu organisieren, dass die Nutzerinnen und Nutzer der Autobahn sowie die Bewohnerinnen und Bewohner der anliegenden Gemeinden möglichst nicht mehr als in dem unvermeidlichen Umfang beeinträchtigt werden.

 

Wie wird die Autobahn wieder instandgesetzt?

Das lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht sagen. Es ist zurzeit nicht auszuschließen, dass auch der übrige Damm bzw. die Gründung geschädigt sind oder in Zukunft Schäden auftreten. Daher werden der Baugrund und der Zustand des Gründungssystems umfassend untersucht. Diese Untersuchungen hat das Landesamt für Straßenbau und Verkehr zum Teil bereits beauftragt. Erst wenn die Ergebnisse vorliegen, können Konstruktionsvarianten für eine dauerhafte Lösung entwickelt werden.

 

Wie lange wird die Instandsetzung dauern?

Diese Aussage ist abhängig von der Konstruktionsvariante, die angewandt werden soll. Erst wenn die Konstruktion feststeht, lässt sich eine ungefähre Bauzeit abschätzen. Es ist jedoch von einer mehrjährigen Baumaßnahme auszugehen.

 

Kommen Zwischenlösungen in Betracht?

An möglichen Zwischenlösungen zur Wiederbefahrbarkeit der Autobahn in beiden Richtungen wird gearbeitet. Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr hat bereits am 13.10.2017 Aufträge für die Planung einer ca. 80 – 100 Meter langen, auf Großbohrpfählen gegründeten, Behelfsbrücke und das dafür erforderliche Baugrundgutachten erteilt. Ziel ist es, die Brücke als provisorische Umfahrung der Schadstelle auf der A 20 mit mindestens einer Spur je Richtung zu nutzen. Der Bund hat signalisiert, die Brücke zu Beginn des kommenden Jahres zur Verfügung zu stellen.

Sollten die Planungen bis zum Jahresende 2017 abgeschlossen sein, könnten die Bauleistungen Anfang 2018 ausgeschrieben werden. Bei günstigem Verlauf könnte die Brücke vielleicht schon im Sommer 2018 die Schadstelle an der A 20 überbrücken. Das ist jedoch keine Zusage. Realistischer Weise bleiben angesichts der Komplexität und technischen Schwierigkeiten Schritt für Schritt abzuwarten, bis eine Fertigstellung absehbar ist.

 

Wann wird die Autobahn voll gesperrt?

Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr ist bestrebt, die verbleibende Fahrspur in Richtung Stettin aufrecht zu erhalten, solange dies unter Gewährleistung der Sicherheit für die Verkehrsteilnehmer vertretbar ist. Dies hängt vom weiteren Verformungsverhalten des Straßendamms ab. Um dies zu kontrollieren, werden täglich engmaschig Setzungs- und Dehnungsverhalten gemessen und – auch nachts – die Entwicklung bereits vorhandener Risse und eventuelle Neubildungen permanent beobachtet. Die aktuellen Messergebnisse deuten gegenwärtig nicht auf eine erforderliche Vollsperrung hin. Sollte sich dies ändern – und das kann täglich der Fall sein – sind wir sofort handlungsfähig und können die bereits vorbereitete Vollsperrung sofort umsetzen und die Umleitung aktivieren. Verkehrssicherheit hat in jedem Fall Vorrang.“

 

Wie muss/kann ich die Schadstelle umfahren?

Für die Umfahrung der Schadstelle ist bis auf Weiteres eine offizielle Umleitung – U 38 – von Tribsees über Bad Sülze, Dettmannsdorf und Sanitz zur Anschlussstelle Sanitz ausgewiesen. Voraussichtlich Anfang November wird zusätzlich zur aktuellen Umleitungsstrecke über Sanitz eine weitere Strecke von der über Böhlendorf in Richtung Bad Sülze zur Verfügung stehen (L 19/L 23). Dort hatte das Straßenbauamt Stralsund bereits vor dem Absacken der A 20 Bauarbeiten begonnen, die eine Vollsperrung erforderlich machten. Diese Bauarbeiten wurden beschleunigt und sollen Anfang November beendet sein. Dadurch verkürzt sich die Umleitungsstrecke von etwa 30 auf ca. 11 Kilometer. Da diese Strecke für den gefahrlosen Begegnungsverkehr zu schmal ist, wird sie allerdings im Falle einer Sperrung beider Richtungsfahrbahnen der A 20 nur für eine Richtung zur Verfügung gestellt werden können.

Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr hat zudem Möglichkeiten geprüft, Umleitungen weiter zu verkürzen. Im Ergebnis soll eine Behelfsanschlussstelle von der Kreisstraße NVP 9 (von bzw. nach Langsdorf) auf die Autobahn gebaut werden, mit der sich die Umleitungsstrecke in beide Richtungen auf ca. zwei Kilometer verkürzt. Mit der Bauvorbereitung wurde begonnen. Ziel ist es, diese provisorische Anschlussstelle bis möglichst zum Jahresende zu errichten – und zurückzubauen, sobald sie nicht mehr erforderlich ist.

Die aktuellen Umleitungsstrecken finden Sie unter http://www.strassenbauverwaltung.mvnet.de/service/verkehrsinformationen

 

Warum wird nicht die alte Baustraße erneuert, die die umliegenden Gemeinden am wenigsten belasten würde?

Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr hat diese Möglichkeit eingehend geprüft. Im Ergebnis hat sich herausgestellt, dass sich eine Wiederherstellung dieser Straße sehr langwierig gestalten würde. Nach Inbetriebnahme der A 20 wurde die Baustraße inklusive ihrer Gründung teilweise abgebrochen und müsste sehr aufwändig wieder hergestellt werden. Aufgrund der Lage in einem Vogelschutzgebiet wäre zudem ein langwieriges umweltfachliches Verfahren erforderlich, so dass die Herstellung der Straße einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen würde. Deshalb soll die sehr viel schneller zu verwirklichende Lösung des Baus einer Behelfsauffahrt (s. o.) realisiert werden. Die zeitlichen und personellen Kapazitäten sollen im Übrigen auf den Bau der Behelfsbrücke und die dauerhafte Instandsetzung der Autobahn konzentriert werden.

 

Was wird für die Anwohner der Umleitungsstrecke getan, die nun den Verkehr ertragen müssen?

Um die Auswirkungen für die Anwohner erträglicher zu gestalten, wird bedarfsgerecht in bebauten Bereichen außerhalb geschlossener Ortschaften entlang der Strecke im Einzelfall die Geschwindigkeit von 70 auf 50 Kilometer pro Stunde heruntergesetzt. Ebenso wird die Aufstellung von Bedarfsampeln geprüft; in Langsdorf wurde eine solche Ampel bereits aufgestellt. Zudem überwachen kommunale Ordnungsbehörde und Polizei die Einhaltung der Verkehrsvorschriften.

 

Regress

Regressfragen dürften aus heutiger Sicht obsolet sein. Jegliche Fristen in dieser Hinsicht sind abgelaufen. Zudem müsste zunächst langwierig, wohlmöglich im Rahmen eines so genannten Beweissicherungsverfahrens, ermittelt werden, ob mangelhaft gearbeitet wurde und durch wen. Ob entsprechende Gutachten ein klares Ergebnis zutage fördern werden, ist ungewiss. Falls doch, ist fraglich, ob sich daraus abgeleitete Ansprüche heute noch durchsetzen lassen. Sollten sich durch die noch ausstehenden Untersuchungen eindeutige Hinweise auf Mängel bei Planung und/oder Bau der A 20 ergeben, wird aber geprüft werden, ob sich daraus Ansprüche ableiten und ggf. durchsetzen lassen.

 

Ist die A 20 eine Pannenautobahn?

Nein. Der überwiegende Teil der Arbeiten, die an der A 20 durchgeführt wurden und werden, sind planmäßige Instandhaltungsarbeiten, die zum Erhalt der Straße alle 12 bis 15 Jahre regelmäßig erforderlich sind. Die Autobahn ist über die Jahre gut nutzbar gewesen und in einem guten Zustand. Und: Der Verkehr auf der A 20 rollt seit ihrer Verkehrsfreigabe im Vergleich zu den meisten anderen deutschen Autobahnen weitgehend staufrei.

 

Wie lang ist die durchschnittliche Lebensdauer einer Autobahn?

Bei stark befahrenen Straßen wie Bundesautobahnen kann angenommen werden, dass die tragenden Schichten einer Straße (Decke, Binder, Tragschicht) nach etwa 50 bis 55 Jahren einmal komplett ausgetauscht werden müssen. Die oberste Schicht, die sogenannte Deckschicht, ist dem Verkehr und der Witterung direkt ausgesetzt und somit am stärksten belastet. Diese Schicht muss deshalb im Laufe des Lebenszyklus einer Straße mehrfach ausgetauscht werden – im Durchschnitt alle 12 bis 15 Jahre. Verallgemeinerungen verbieten sich jedoch, weil jede Autobahn u.a. auf Grund der Topografie, der Bauwerke und der Verkehrsbelastung gesondert zu betrachten ist.

Es gibt keine Bundesautobahn, die signifikant stärker von Baumaßnahmen betroffen ist als andere. Die Notwendigkeit von Erhaltungsmaßnahmen wird im Ergebnis der Zustandserfassung festgelegt. So wurden in den zurückliegenden Jahren eher Baumaßnahmen auf der A 19 und A 24 umgesetzt. In den beiden vergangenen Jahren und auch in den kommenden Jahren wird insbesondere die A 20 in den Fokus von Erhaltungsmaßnahmen kommen, da die oberen Bauteile dieser Autobahn aufgrund ihres Alters planmäßig erneuert werden müssen.